Montag, 6. Oktober 2008

Gläsern

Sie blicken durch mich hindurch,
Ganz tief in mich hinein.
Es geschieht ganz ohne Furcht,
Und kann nicht müheloser sein.

Gehen mir bis auf den Grund,
In nur einem Augenblick.
Gelangen sie an den Fund,
Meiner Trauer, meines Glücks.

Ich kann mich nicht verbergen,
Weil meine Rüstung gläsern ist.
Und allzu leicht liegt sie in Scherben,
So, dass jeder meine Seele liest.

Ich selbst bin aus Glas,
Auch wenn mir Täuschung manchmal gelingt,
Doch wenn erst mein Schutz zerbarst,
Fühl ich, wie mich sofort ihr Blick durchdringt.

Sie lesen mich aus,
Dringen in die tiefsten Katakomben.
Mein Labyrinth hält sie nicht auf,
Weil sie die Wände aus Glas zerbomben.

Sie sind in meinem Herzen unerwünscht,
Dorthin will ich mich flüchten.
Dort hab ich die Wände rot getüncht,
Hier können sie nicht ihr Werk verrichten.

Still harre ich dort bis draußen Ruhe herrscht,
Sie den Ort der Verwüstung verlassen.
Von dort aus beginne ich zuerst,
Dann wird meine Hülle neu gegossen.

Doch ich habe keine Angst davor,
Gläsern zu sein.
Manche leben hinter ihrer Riegel Tor,
Leben dort und sterben allein.

Durch mich aber kann die Sonne scheinen,
Vor mir kennt keiner Menschen Seele Angst.
In mir können sich Träume vereinen,
Weil die Liebe sacht in mich gelangt.

So mag ich zwar zerstörbar sein,
Doch richt ich mich ebenso leicht auf.
Denn meine Scherben schmelz ich ein,
Und errichte ein noch prächtigeres Haus.

Florian Beier, 05.10.08

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